26.06.2015
Bayerische Konferenz zu Europäischen Innovationspartnerschaften (EIP) in neuer Förderperiode

Ulrike Müller bringt Landwirtschaft und Forschung zusammen

Zum Start des Programms in der neuen Förderperiode fand in Bayern eine Konferenz zu Europäischen Innovations-Partnerschaften (EIP) für den Agrar-Bereich statt, die Akteure aus Politik, Landwirtschaft und Ernährung sowie Forschung zusammenbrachte. Veranstalterin war die FREIE WÄHLER Europaabgeordnete Ulrike Müller. „Es wurde Zeit, dass hier eine dynamische Plattform für einen Austausch geschaffen wird, um über aktuelle Entwicklungen zu informieren und Impulse zu geben“, sagte sie am Rande des Kongresses in Herrsching am Ammersee. Als Referenten konnte sie Fachleute aus Bund, Ländern, der EU-Kommission und der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie Praktiker gewinnen. Die Resonanz war groß, der Saal mit 70 Interessierten voll besetzt.

Welche Bereiche förderfähig sind, erläuterte Dr. Hans-Jörg Lutzeyer von der Generaldirektion Forschung und Innovation der EU-Kommission. Im ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) sei es möglich, operationelle Gruppen mit bis zu 80 Prozent zu fördern, erläuterte er. Anhand eines Beispiels veranschaulichte Lutzeyer, wie ein solcher Zusammenschluss aussehen könnte: „Beim Netzwerk europäischer Pilot- und Demonstrationsbauernhöfe gibt es eine Möglichkeit für Bauern, die beispielsweise bestimmte Maschinen, eine spezielle Haltung oder Software haben, mitzumachen.“ Mit anderen Ländern zusammen wäre hier eine Serie von Veranstaltungen denkbar, so Lutzeyer. Er warb auch für eine Mitarbeit auf Brüsseler Ebene in sogenannten Fokus-Gruppen. „Die EIP hat eine Reihe von Elementen, bei denen es um Themen geht, die sich später in Ausschreibungen wiederfinden“, erläuterte Lutzeyer. Eine Anregung des leitenden Ministerialrats Anton Dippold (StMELF) nahm der Kommissionsvertreter sofort auf: Eine Fokus-Gruppe zu Digitalisierung.

Dippold selbst stellte die Unterstützungsmöglichkeiten in Bayern vor. Als Beispiel nannte er die Bayerische Forschungsallianz, die bei der Antragstellung helfe. „Bei uns sind mindestens aus drei Akteursgruppen Mitglieder gefordert. Und es muss ein Landwirt dabei sein“, so der Ministerialrat. In einem dieser Innovationsprojekte mache Tierwohl, Tierhaltung und Tierschutz mehr als 50 Prozent aus – „ auch um eine entsprechende Akzeptanz bei den Kunden zu bekommen“, erklärte Dippold.

Dass die Antragsverfahren nicht zu bürokratisch ausfallen dürfen, forderte BBV-Landesbäuerin Anneliese Göller. „Programme sollten nicht nur von wenigen Insidern genutzt werden können, sondern für möglichst viele offen stehen“, sagte sie. Auch mit der Bitte, die Verbraucher immer im Blick zu haben, ist sie mit Ulrike Müller auf einer Linie, die sich im EP-Ausschuss für Umwelt- und Verbraucherschutz ebenfalls dafür einsetzt.

Weitere Ergebnisse aus den Vorträgen:

Über die Beteiligung aus der Sicht der Landesanstalt für Landwirtschaft an Projekten aus Horizon 2020 berichtete Dr. Kay-Uwe Götz. Die LfL sei näher an der Praxis als die universitären Partner, so Götz. Doch auf EU-Ebene erfolgreicher seien Länder mit zentralistischer Forschungsstruktur: „Sie vermeiden beispielsweise konkurrierende Anträge.“ Er hob hervor, dass „LfL-Projekte nicht von Ausschreibungsthemen, sondern vom Bedarf der bayerischen Landwirte bestimmt werden sollten.“

Die Vernetzung als „Bodenbereiter für eine erfolgreiche Zusammenarbeit“ beschrieb Bettina Rocha von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Berater haben für Rocha eine Schlüsselfunktion: „Sie können mitwirken, um zentrale Fragen zu transportieren.“

Ihre abschließende Anregung: „Wir bräuchten sowas wie ERASMUS für EIP, so dass man sich mal die Situation in anderen Mitgliedstaaten ansehen kann.“

Michael Kügler vom Europäischen Forum für landwirtschaftliche und ländliche Beratungs-dienste, kurz EUFRAS, berichtete von Bestrebungen, einen EU-weiten Mindeststandard für Beraterkompetenzen zu schaffen. „Wir als Berater wollen die Neuerungen an die Landwirte weitergeben“, betonte er. Als Modell mit Vorbildcharakter stellte er das Beispiel eine Schule für Obstbau in Südtirol vor. Kügler: „Dort, machen die Schüler mit den Wissenschaftlern zusammen Versuche und werden angeleitet.“

Am Beispiel, wie die Herangehensweise bei den Problemen durch die Düngeverordnung sein könnte, erläuterte Dr. Jürgen Beck vom f10 Forschungszentrum für erneuerbare Energien die Herausforderungen in der Forschung. „Wir brauchen Brainpower und Kreativität. Der Boden muss durch Bildung und Förderungsvoraussetzungen bereitet werden.“

Georg Abele von „Prima Rind und Kalb GmbH“ brachte den Teilnehmern nahe, wie eine erfolgreiche Entwicklung über eine Vermarktungsinitiative stattfinden kann. „Wir mussten uns abheben“, berichtete der Allgäuer und sprach auch über Rückschläge: „An der BSE-Krise haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, dass die Firma hinter den Bauern steht. Die Firma Feneberg hat damals gezeigt, dass sie hinter ihrem Rindfleisch steht.“ Heute seien über 200 Betriebe beteiligt.

Keine Kompromisse geht Matthias Vögele ein, wenn es um die Qualität des Futters für spätere Lebensmittel geht. Der Vorstandsvorsitzende der Trockengrün Marketing eG erläuterte die Methoden der Trockung. Zudem berichtete er von einem Pilotprojekt, bei dem die Prozesse in der Praxis für beste Futtermittel aus Bayern optimiert werden sollen. Die Herausforderung für die kommenden Jahre sei unter anderem, eine Lösung dafür zu finden, „wie wir Steine, Rohasche und Löwenzahn aussortieren können.“

Die Referenten-Vorträge finden nebenstehend.

Weitere Informationen und Links zu den Förderungen

Teilnehmerportal:
www.ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/home.html

Beratungsstelle:
www.ec.europa.eu/research/enquiries

Gutachter erforderlich:
www.ec.europa.eu/research/participants/portal/desktop/en/experts/index.html

Mehr über Horizont 2020:
www.ec.europa.eu/horizon2020