21.06.2017
IALB/EUFRAS-Tagung in Münster 2017

Europaabgeordnete Müller spricht bei Workshop

Neue Wege in der Landwirtschaft gemeinsam mit der Politik“ – zu diesem Thema habe ich bei der Konferenz der Internationalen Akademie für land- und hauswirtschaftliche Beraterinnen und Berater – kurz ILAB – in Münster am 19. Juni einen Vortrag gehalten. Denn gesellschaftliche Forderungen wirken in der Regel nicht direkt auf die Landwirtschaft. Das Regulativ auf dem Weg dahin stellt die Politik dar. Aber nicht nur durch Gesetze und Verordnungen kann die Politik Entwicklungen steuern. Auch Förderung bietet die Möglichkeit, durch positive Anreize eine gewünschte Entwicklung in Gang zu setzen und zu unterstützen. Dabei kommt den landwirtschaftlichen Beratern eine bedeutende Rolle zu: Sie informieren die Landwirte über neue Regelungen, Richtlinien und Fördermöglichkeiten.

In meinem Vortrag habe ich über die europäische Agrarpolitik gesprochen und welche Themen derzeit auf EU-Ebene diskutiert werden. So haben wir uns erst vergangene Woche im Europaparlament mit dem sogenannten „Greening“ beschäftigt. Leider hat sich eine Mehrheit der Abgeordneten für ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen ausgesprochen. Dieses Verbot ist in vielerlei Hinsichten kontraproduktiv – nicht zuletzt auch mit Blick auf den tatsächlichen Umweltnutzen. Desweiteren debattieren wir auf europäischer Ebene über das Tierwohl. Dabei nehmen die Berater eine wichtige Rolle ein. Denn wenn sich die Tierwohlkriterien verändern, dann vermitteln die  Berater den Landwirten, was geltendes Recht, welche Vorschrift aktuell ist oder was in Zukunft – etwa beim, Stallumbau – neu geregelt wird.

Wohin wird sich die EU-Agrarpolitik in Zukunft entwickeln? Die Gemeinsame Agrarpolitik, kurz GAP, muss unbedingt die Rolle der Landwirte in der Wertschöpfungskette und die bäuerlichen Vermarktungsstrukturen stärken sowie unfaire Handelspraktiken abbauen. Gleichzeitig müssen die Verbraucher besser darüber aufgeklärt werden, welche enorme Bedeutung die GAP bei der Versorgung mit gesunden und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln hat.

Was im Rahmen dieser Konferenz klar wurde: Die Vernetzung zwischen der EU, ihren Mitgliedsstaaten, Verwaltungsbehörden, Beratern und den Landwirten muss sich verbessern. Sowohl Landwirte als auch Berater wollen einen geringeren bürokratischen Aufwand und wünschen sich eine verlässliche Politik. Denn Planbarkeit ist gerade bei langfristigen Investitionen und Änderungen des Betriebskonzeptes dringend notwendig. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, eine enge Verbindung zwischen den Akteuren – Landwirte, Berater, Verwaltung und Politik – zu schaffen. Das gemeinsame Ziel von allen: Landwirte sollen von ihren Betrieben leben können und ein angemessenes Einkommen für ihre Produkte erzielen.