23.02.2018
Landfrauentag in Ascholding

Ein Nachmittag im Zeichen der Bäuerinnen

Quelle: Tölzer Kurier vom 22.02.2018  - Sabine Hermsdorf-Hiss

Dietramszell -  Unter dem Motto „Das ist meine Heimat“ trafen sich am Mittwoch rund 100 Landfrauen und Gäste auf Einladung des Bayerischen Bauernverbandes im Holzwirt in Ascholding. Kritische Töne blieben nicht aus.

Ascholding – „Heimat ist dort, wo man sich wohlfühlt“, beschrieb Festrednerin Ulrike Müller, Bäuerin aus dem Allgäu und Mitglied des Europäischen Parlaments, den Begriff. „Und Sie, die Landfrauen, sorgen dafür, dass unsere Kultur, unsere Heimat erhalten bleibt.“ Durch das Bewirtschaften von Feldern und Wiesen würden Landwirte für regionaltypische Landschaften sorgen. „Wir sind deren Gestalter“, sagte die gebürtige Augsburgerin. Dieses Pflegen und Erhalten habe zur Folge, dass Bayern in seiner Schönheit beliebte Urlaubsregion ist. „Die Touristen kommen hierher, nicht weil sie die U-Bahn in München toll finden, sondern unsere Art zu leben, und wie wir mit unserer Landschaft umgehen“, meinte die EU-Abgeordnete.

Doch Tourismus und das weitere Bevölkerungswachstum bedeuten auch eine weitere Entwicklung der Infrastruktur. Ein Punkt, den Rolf Oehler, Direktor des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen, aufnahm. „Der Zuzug ist enorm und wird weiter steigen. Nur: Wie kommen die damit zurecht, die hier bereits leben?“, fragte er.

Kreisbäuerin fordert Unterstützung für Hebammen

Von politischer Seite gebe es laut Müller ein großes Bestreben, die ländliche Kultur weiter zu stärken, aber auch den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. „Es reicht nicht aus, dass nur in den Ballungszentren schnelles Internet zur Verfügung steht.“ Müller verwies auf die Diskussion zum Thema „Elektronisches Klassenzimmer“. „Wie soll das funktionieren? Ein Laptop ohne Anschluss bringt nichts“, kritisierte sie den schleppenden Breitbandausbau auf dem Land. Die Technik biete so viele Chancen, die es zu nutzen gelte. So könnten Drohnen Daten zur Düngeroptimierung liefern, Mini-Transponder, die in die Ohrmarken von Milchkühen eingegossen werden, Fress- und Bewegungsdaten dokumentieren. Müller: „Krankheitsanzeichen könnten so schneller erkannt werden.“

Ein Riesenproblem sei die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum. „In Städten werden immer mehr Fachzentren aufgemacht, auf den Dörfern lassen sich kaum noch Ärzte nieder.“ Müller machte sich nachdrücklich für die Rechte der Hebammen stark. „Hier fehlt einfach die finanzielle Unterstützung.“

Mit diesem Hinweis rannte die Parlamentarierin bei Kreisbäuerin Ursula Fiechtner offene Türen ein. „Für das Wolfsmanagement werden 413 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die Geburtshilfe wird im zweistelligen Bereich angesiedelt, für die Pflege ist nur noch mit 750 000 Euro an Unterstützung zu rechnen.“ Die Kreisbäuerin besteht auf ein zeitnahes Umdenken: „Was ist mehr wert? Wolf oder Mensch? Ich fordere Mutterschutz vor Wolfsschutz.“