06.08.2016
Schnee- und Klimaveränderung macht Handeln notwendig

Konferenz mit Aktuellem aus Wissenschaft und Lösungsansätze für die Region

Wie wichtig es ist, Landwirtschaft und Naturschutz nicht separat zu sehen und den Tourismus an die Gegebenheiten anzupassen, wurde auf meiner Regionalkonferenz „Zukunft Alpen – der Schnee von morgen“ in Sonthofen/Oberallgäu erneut deutlich. Für die Gäste waren die Ausführungen der Klimaforscher ebenso wertvoll wie die Diskussion um den Aus- und Rückbau von Skigebieten im Alpenraum. In diesem Zusammenhang habe ich mich erneut für den Ausbau des Riedberger Horns ausgesprochen. Wichtig ist mir auch, dass Angebote der Kommunen in den Bergen für die Einheimischen ebenso nutzbar sind. Die Bürger vor Ort müssen davon und von der zugehörigen Infrastruktur profitieren. Naturschutz und Modernisierung ist kein Widerspruch.

Wie sich Sonthofen im Tourismus aufgestellt hat, erläuterte Bürgermeister Christian Wilhelm zu Beginn. Fair Trade und Nachhaltigkeit sei ein großes Thema in der Stadt. „Wir wollen zudem, dass die Touristen länger bleiben“, so Wilhelm. Das Ziel werde mit Veranstaltungen wie dem Alpenfestival, der Live Nacht und anderen Attraktionen verfolgt.

Die Ausführungen des Meteorologen Joachim Schug bestätigten den Besuchern eine sichtbare Klimaveränderung in den Alpen: „Der Trend ist klar. Es geht nach oben mit den Temperaturen.“ Anhand von Grafiken zeigte der Wetter-Experte die stetige Erwärmung auf. „Menschen, die regelmäßig in die Alpen gehen, sehen, wie sich die Gletscher zurückziehen“, kommentierte er Bilder, auf denen die Veränderung zu sehen war. Sie stießen auf die sichtbare Zustimmung der nickenden Zuschauer. Für das Allgäu stellte Schug fest: „Ende Februar, Anfang März haben wir die größte Schneesicherheit.“

Der Geograf Dr. Christoph Beck, der sich neben den Temperaturen mit dem Niederschlag beschäftigt, hakte in die Ausführungen Schugs ein. Im Norden der Alpen stelle er eine Zunahme fest, während die Niederschläge im Süden des Gebirges abnähmen. Vorhersagen möchte er keine anstellen. „Aber eine Entwicklungs-tendenz“. Diese zeige, „dass es künftig wärmere Winter gibt“, so Beck.

Julia Lerch vom Panorama Hotel Oberjoch stellte für die Tourismusbetriebe fest: „Wir müssen flexibler sein.“ Sie betonte, wie viel der Alpenraum, insbesondere das Allgäu zu bieten habe. „Dass es Sennereien gibt, wo man zusehen kann, wie Käse gemacht wird“ sei ein gutes Beispiel dafür, dass „das Bewusstsein für das Typische der Regionen gestärkt werden muss“, so Lerch.

Neues auszuprobieren und in Zukunft außerhalb des einfachen Wanderns und Schneesports weiterzudenken unterstrich auch Werner Vetter von der Faszinatour GmbH Immenstadt. Der Geschäftsführer des Sport-Erlebnis-Anbieters prognostizierte nach Mountainbike und Hochseilgärten das Seilrutschen als neuen Szene-Trend. Sein Fazit: „Jeder Städter schaut neidvoll auf diese Region. Trotzdem brauchen wir touris-tische Attraktionen.“

Während Berni Huber von den Skiliften Grasgehren für den viel diskutierten Ausbau des Skigebiets am Riedberger Horn warb, stellte Gerhard Honold (Forst- und Natur-schutz-Referatsleiter Immenstadt) die gelungene Renaturierung des Gschwender Horns dar. Die Renaturierung sei Teil des Immenstädter Konzepts touristischer Alter-nativen, so Honold. „Dazu gehören Berge für Einsteiger, 40 Kilometer Langlaufloipen und Routen abseits von sensiblen Naturschutzbereichen.“

Huber warnte davor, einzelne Skigebiete miteinander zu vergleichen. Zudem „darf der alpine Skitourismus nicht nur auf die Umweltzerstörung reduziert werden“, sagte er. Er sehe dem Ergebnis positiv entgegen. Denn man müsse sich in Sachen Wintersport vor Augen halten: „Umso weniger Lifte wir haben, desto mehr geht ein Kulturgut verloren.“

 

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