Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020

Die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 wird elementarer Bestandteil eines funktionierenden Europas sein. Die Landwirtschaft ernährt die Menschen, schützt die Umwelt, verbessert das Tierwohl und schafft Arbeitsplätze – und das in der gesamten Europäischen Union. Die Agrarpolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten einen enormen Wandel erlebt. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen brauchen die Landwirte unsere Unterstützung. Angesichts des zu erwartenden Bevölkerungswachstums und der steigenden Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen wird bis 2050 eine Verdoppelung der weltweiten Lebensmittelproduktion nötig sein. Gleichzeitig müssen wir aber auch den Klimawandel entgegenwirken. Wir brauchen daher eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft. Das erreichen wir durch eine moderate Weiterentwicklung der GAP mit Beibehaltung des bewährten Zwei-Säulen-Prinzips. Die Erste Säule ist ein wesentliches Element des Sicherheitsnetzes für Landwirte, sie erhalten durch die Zahlungen Planungssicherheit. Die teils erheblichen Preisschwankungen bei landwirtschaftlichen Produkten können so abgemildert werden.

Unsere Landwirte sind auch Unternehmer, die natürlich auch wirtschaftlich arbeiten (müssen). Deshalb ist es wichtig, die Verwaltung zu vereinfachen und überzogene Bürokratie abzubauen. In diesem Zusammenhang ist es auch von großer Bedeutung, dass der Kontrollaufwand verringert und die Verfahren künftig leichter durchgeführt werden können. Denn der zurzeit herrschende Regelungsaufwand ist für die Landwirte und die Kontrollstellen nicht praktikabel. Kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe müssen– durch die Förderung der ersten Hektargestärkt werden. Der Erhalt von bäuerlichen Familienbetrieben ist ein Kernanliegen meiner Politik. Daher ist es auch so wichtig, Junglandwirten Anreize zu geben, in den Betrieb mit einzusteigen. Wenn wir die Landwirtschaft auch in Zukunft erhalten wollen, müssen wir die jungen Menschen dafür gewinnen und ihnen zeigen, dass sie damit ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können und auch selbst eine gute wirtschaftliche Betriebsausrichtung vorleben und weitergeben.

Die Reformpläne der GAP nach 2020 gehen in die richtige Richtung: Die Mitgliedstaaten erhalten mehr Entscheidungsspielraum. Die Kommission gibt die Ziele vor, die Umsetzung kann dann jedes Land selbst bestimmen. Dabei ist mir allerdings wichtig, dass es jedoch nicht zu Wettbewerbsnachteilen für die Landwirte kommt, wenn die einzelnen Mitgliedsstaaten unterschiedlich hohe beziehungsweise niedrige Standards festlegen. Und vor allem: Deutschland darf nicht durch zu viel nationale Bürokratie und Regelungen die Umsetzung der GAP verkomplizieren. Wie soll eine Gemeinsame Agrarpolitik gewährleistet bleiben, wenn jedes Land künftig eigene Modelle entwickeln kann? Es muss generell auch sichergestellt werden, dass die hohen europäischen Standards in der Landwirtschaft erhalten bleiben und nicht in einzelnen Mitgliedsstaaten gesenkt werden.


Wir brauchen mehr Gelder für Wissenschaft und Forschung, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, kosteneffizient zu wirtschaften und auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben. So sollte der Beratungsservice zu „Big Data“ für die Landwirte verpflichtend sein. Denn auch in der Landwirtschaft hält die Digitalisierung Einzug. Es können Ressourcen gespart und Erträge gesteigert werden. So kann ein Landwirt etwa die auszubringende Düngemenge oder die Bearbeitungstiefe genau an die Beschaffenheit seiner Felder anpassen.

Bei der Regionalentwicklung kommt der Landwirtschaft enorme Bedeutung zu: Gerade in ländlichen, strukturschwachen Regionen kann die GAP dazu beitragen, Abwanderung zu verringern und Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten. Durch die Beseitigung von Ungleichheiten zwischen den einzelnen Regionen kann der Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union gestärkt werden. Es ist wichtig, im ländlichen Raum zu investieren – Stichwort: flächendeckender Breitbandausbau!

In der Europäischen Union profitieren über 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger in noch 28 Mitgliedsstaaten von einer funktionierenden GAP. Die Bevölkerung wird von unseren Landwirten tagtäglich mit qualitativhochwertigen und sicheren Lebensmitteln versorgt!