30.09.2017
3. Symposium der Oberallgäuer Einsatzleiter

„Gipfeltreffen der Einsatzleiter – Einsatzleitung völlig abseits der Routine“

Deutschlands höchstes und südlichstes Einsatzleitersymposium auf dem Fellhorn (2.037 m) bei Oberstdorf im Allgäu war am 30. September 2017 Treffpunkt von Führungskräften polizeilicher- und nichtpolizeilicher Einsatzorganisationen. Bereits zum dritten Mal kamen Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Einsatzführungsdiensten miteinander ins Gespräch - in diesem Jahr lautete der Titel der Veranstaltung „Gipfeltreffen der Einsatzleiter – Einsatzleitung völlig abseits der Routine“.

Ich habe sehr gerne wieder die Schirmherrschaft übernommen: Denn die Einsatzkräfte leisten einen unverzichtbaren Dienst an der Gesellschaft. Rund um die Uhr stehen sie bereit und retten Menschen. Und das oft in extremen Situationen, abseits der Routine. Für sie gleicht kein Arbeitstag dem anderen. Wenn die Einsatzkräfte zu einem Einsatz aufbrechen, wissen sie meist nicht, was sie erwartet: Auch darin liegt eine besondere Herausforderung ihrer Tätigkeit. Denn abseits der Routine kommt es immer wieder zu Einsätzen mit schwerverletzten Menschen oder an schwer zugänglichen Orten. Dann tragen die Einsatzkräfte nicht nur die Verantwortung für die Menschen, die Hilfe brauchen, sondern auch für die Helfer selbst.

Für Rettungs- und Sicherheitskräfte gibt es - leider derzeit gehäuft - noch weitere, spezielle Herausforderungen: Deutlich gemacht hat dies auf traurige Weise der Amoklauf in München, der sich am 22. Juli 2017 zum ersten Mal gejährt hat. Jetzt haben die Retter es mit Situationen zu tun, bei denen sie sich auch in große Gefahr - im schlimmsten Fall sogar in Lebensgefahr - begeben. Denn bei einem Amoklauf oder Anschlag sind sie meist als Erste am Tatort. Wie versorgt man Verletzte, ohne sich selbst zu gefährden? Diese Einsätze - unter potenziell unsicheren Bedingungen - unterscheiden sich deutlich von einer Verletztenversorgung bei einem vertrauten Routineeinsatz.

Für solche Situationen hat das Bayerische Innenministerium Handlungsempfehlungen gegeben. Das sogenannte REBEL-Konzept (Rettungsdiensteinsätze bei besonderen Einsatzlagen) soll die Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten bei solchen Lagen vor Ort regeln. Die Vorgaben des Innenministeriums für besondere Einsatzlagen skizzieren nur, wie vorgegangen werden kann, berücksichtigen jedoch nicht die "menschlichen Faktoren", welche dabei auf die Einsatzkräfte einwirken. Oft müssen die Einsatzleiter improvisieren und pragmatisch handeln - jenseits aller Vorgaben von Ministerien. So sollen Rettungskräfte - zumindest in der Theorie - nur eingreifen, wenn die Umgebung sicher ist.

Doch wer kann schon tatenlos zusehen, wenn in Sichtweite ein Mensch verblutet? Am Tag des Amoklaufs im Münchner Olympia-Einkaufszentrum haben sich Rettungskräfte in große Gefahr begeben, um Leben zu retten. Neue Szenarien erfordern neue Regeln: Alt bewährte Maßnahmen müssen auf den Prüfstand gestellt werden, ob sie den Herausforderungen unserer Zeit noch entsprechen. Sollen Verletzte tatsächlich an Ort und Stelle stabilisiert werden oder so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden? Das ist nur eine von vielen Fragen, die geklärt werden müssen.

Klar ist: Die Handlungsempfehlungen des Innenministeriums müssen weiterentwickelt werden. Wichtig dabei ist, alle Beteiligten einzubinden. Zudem muss es schnell und vor allem auch flächendeckend Fortbildungen im Umgang mit neuen Techniken und Strategien geben. Nur so kann größtmögliche Sicherheit für die Verletzten, aber natürlich auch für die Einsatz- und Rettungskräfte, garantiert werden. Dieses Symposium war der ideale Rahmen dazu, über diesen Themen zu sprechen.