15.03.2019
EU-Kommission veröffentlicht Strategie zum Umgang mit Arzneimitteln in der Umwelt

Ulrike Müller fordert Unterstützung von Kommunen und Landwirten

Die Europäische Kommission hat am Dienstag, 12. März, eine Strategie zum Umgang mit Arzneimitteln in der Umwelt veröffentlicht. Das in Brüssel veröffentlichte „Strategische Konzept bezüglich Arzneimitteln in der Umwelt“ legt fest, wie mit Risiken und Herausforderungen umzugehen ist, wenn Medikamente in die Umwelt gelangen. Ulrike Müller (FREIE WÄHLER) begrüßt den horizontalen Ansatz des Papiers, der sowohl Symptome als auch Ursachen angeht, als richtig und notwendig. Sie fordert zugleich, dass mit den skizzierten Maßnahmen auch eine Entlastung von Kommunen und Landwirten einhergehen muss.

Das Konzept legt sechs Handlungsbereiche für den humanmedizinischen und den veterinärmedizinischen Einsatz von Arzneimitteln fest. Die Bereiche betreffen alle Phasen von der Entwicklung und Herstellung bis hin zur Entsorgung und Müllbeseitigung von Medikamenten. Das Papier definiert Maßnahmen zu einer besseren Ausbildung und Risikoabschätzung, zur Förderung von umweltfreundlichem Design, zu geringeren Emissionen im Herstellungsprozess, Müllvermeidung und einer besseren Abwasseraufbereitung. Die am Dienstag vorgestellte Mitteilung legt den Schwerpunkt auf den Austausch vorbildlicher Verfahren, auf die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene und auf ein besseres Verständnis der Risiken. Dies ist im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, einem weltweit zunehmenden Problem, entscheidend. Die Kommission wird die in der Mitteilung genannten Maßnahmen verfolgen und ruft die Mitgliedstaaten und andere Interessenträger auf, tätig zu werden.

Ulrike Müller setzt sich gegen Antibiotika-Resistenzen ein

Mehrere Maßnahmen des am Dienstag veröffentlichten Papiers sollen zu den Zielen des Europäischen Aktionsplans zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen im Rahmen des Konzepts “Eine Gesundheit” beitragen. Ulrike Müller hat sich in dieser Legislaturperiode zum Thema Antibiotikaresistenzen und Abwasserreinigung eingesetzt, zuletzt im Rahmen des “Eine Gesundheit”-Berichts zu Antibiotika-Resistenzen. Die Europäische Kommission unterstreicht in ihrem Aktionsplan die Notwendigkeit eines “Eine Gesundheit”-Ansatzes, der dem Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Mensch und Tier und der Umwelt Rechnung trägt.

Konzept betrifft kommunale Kläranlagen und Krankenhäuser

“Für uns FREIE WÄHLER ist dieses Konzept aus verschiedenen Perspektiven relevant”, erläutert Ulrike Müller. “Unsere Kommunen sind davon betroffen, denn es geht um die vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen und Maßnahmen “an der Quelle”, zum Beispiel in kommunalen Krankenhäusern”, so Müller.

Beim Abfallmanagement soll es künftig Unionsmittel zur Förderung von Technologien zur Abwasserbehandlung geben. Ulrike Müller begrüßt diese finanzielle Unterstützung für die Kommunen: “Die vierte Reinigungsstufe ist ein wichtiger technologischer Schritt. Wir dürfen die Kommunen aber keinesfalls mit den Kosten, die dadurch entstehen, allein lassen. Diese finanzielle Entlastung ist für mich auch eine unverzichtbare Bedingung, wenn die Kommission diese zusätzliche Reinigungsstufe in der überarbeiteten Direktive zu städtischen Abwässern verpflichtend machen will.”

Ulrike Müller begrüßt, dass in der Öffentlichkeit und in der beruflichen Bildung besser über die richtige Entsorgung von Medikamenten informiert werden soll. Forschungsförderung für "grünere" Arzneimittel geht laut Müller in die richtige Richtung. Der Kommissions-Bericht identifziert Wissenslücken und damit weiteren Forschungsbedarf, zum Beispiel über gesundheitliche Auswirkungen von Arzneimittelrückständen im Trinkwasser, aber auch zu "Cocktail-Effekten" und Konzentrationen in der Umgebung von "Hot-Spots" wie Krankenhäusern.

Kommissions-Strategie betrifft auch Tierhaltung

Das Strategie-Konzept betrifft auch Landwirte, da einige der beschriebenen Maßnahmen sich auf Veterinärarznei beziehen. Ulrike Müller war Mitberichterstatterin für die Stellungnahme des Agrarausschusses im EU-Parlament zur neuen Tierarzeimittel-Verordnung. Sie sieht es kritisch, dass die Kommission bei der Überprüfung der Richtlinie zu Industrie-Emissionen in Erwägung zieht, die so genannte intensive Milchwirtschaft einzubeziehen: “Ich bezweifle, dass Landwirtschaft als “Industrieemission" zu definieren ist. Hier dürfen wir die Landwirte nicht mit Überregulierung belasten. Wir sollten vielmehr erörtern, wie die Landwirte gegebenenfalls unterstützt werden können, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen.”

Auswirkungen von Arzneimitteln auf die Umwelt

Die Entsorgung von Arzneimitteln in der Umwelt ist für Fische und andere Lebewesen riskant. Beispielsweise kann ihre Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt oder ihr Verhalten in einer ihr Überleben gefährdenden Weise verändert werden. Auch können direkte toxische Effekte den Lebewesen schaden. Zudem könnten falsch entsorgte Arzneimittel das Problem der Antibiotikaresistenz vergrößern.