30.05.2017
Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf ökologischen Vorrangflächen im Agrarausschuss abgelehnt

Müller: Positive Entwicklung des „Greenings“ sollte nicht durch ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln zunichte gemacht werden

Brüssel. Nach der gestrigen Aussprache im Ausschuss für Umweltfragen mit Vertretern der Kommission zur Ökologisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) standen heute die neuen Pläne der Kommission zum sogenannten „Greening“ auf der Agenda des Agrar-Ausschusses im Europaparlament – der hat diese Pläne abgelehnt. Das „Greening“ sieht vor, dass Betriebe, deren Ackerland mehr als 15 Hektar umfasst, mindestens 5% ihrer Flächen als ökologische Ausgleichsfläche ausweisen müssen. Es wird seit Januar 2015 angewandt. 

Die Freie Wähler-Abgeordnete und agrarpolitische Sprecherin der ALDE-Fraktion im Europaparlament Ulrike Müller begrüßt zwar die in den Vorschlägen der Kommission genannten Vereinfachungen des „Greenings“, kritisiert aber das Verbot des bedarfsweisen Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln bei großkörnigen Leguminosen wie Ackerbohne, Erbse, Soja etc. auf den sogenannten „produktiven Ökologischen Vorrangflächen“. Müller sagt dazu: „Grundsätzlich ist es erfreulich, dass das ,Greening‘ vereinfacht werden soll. Eine Klarstellung, was von Landwirten und nationalen Verwaltungen konkret erwartet und benötigt wird sowie eine Reduzierung von zu technischen Anforderungen sind überfällig und werden den Landwirten die Umsetzung erleichtern, ohne den Umweltnutzen zu reduzieren.“

Müller erklärt weiter: „Weniger effektiv – auch in Hinblick auf den tatsächlichen Umweltnutzen – hingegen ist jedoch das geplante Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln auf diesen Flächen. Seit dem Start des ‚Greenings‘ im Jahr 2015 hat der Anbau von Eiweißpflanzen wie Soja und Erbsen zugenommen. Derzeit werden EU-weit etwa 300.000 Hektar sticktoffbindende Pflanzen auf diesen ökologischen Vorrangflächen angebaut. Davon profitieren die Fruchtfolge, die Bodenstruktur und auch die Bienen, da die blühenden Eiweißpflanzen eine wichtige Nahrungsquelle für diese zu jener Zeit sind, wenn nur wenig Blütenangebot herrscht. Außerdem trägt sie zur Vielfalt der Kulturlandschaft bei und stärkt die Versorgung mit heimischem Eiweißfutter. Diese positive Entwicklung droht nun jedoch zunichte gemacht zu werden, wenn das von der Kommission vorgeschlagene Verbot des bedarfsweisen Pflanzenschutzes auch beim Anbau von ÖVF-Leguminosen (Ackerbohne, Erbse, Linse u.a.) eintritt. Daher sollte die Möglichkeit des bedarfsweisen Pflanzenschutzes für die (großkörnigen) Leguminosen unbedingt bestehen bleiben.“