12.04.2019
In einfacher Sprache – Meine Ziele für Menschen mit Behinderung

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Name ist Ulrike Müller.
Ich bin Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Frankreich, Deutschland, Italien und 24 andere Staaten in Europa haben sich zusammengeschlossen. Zusammen heißen sie Europäische Union.
Oder einfach kurz: EU.

Die Menschen in der EU können nicht alle direkt miteinander sprechen.
Darum wählen sie Abgeordnete.
Diese Abgeordneten vertreten die Bürger und Bürgerinnen in Europa.
Die Abgeordneten zusammen sind das Europäische Parlament.

Am 26. Mai wird dieses Parlament neu gewählt.
Auch mich kann man wieder als Abgeordnete wählen.

Ich gehöre zur Partei FREIE WÄHLER.
Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder und bin Oma.
Ich lebe mit meiner Familie im Allgäu.
Wir haben einen Bauernhof.

Zuerst war ich in der Politik in meinem Dorf.
Da war ich zweite Bürgermeisterin.
Später wurde ich in das bayerische Parlament nach München gewählt.
Seit fünf Jahren sitze ich im europäischen Parlament.

Viele Menschen sollen diesen Text verstehen können.
Auch Menschen mit Problemen beim Lesen und Lernen.
Deshalb schreibe ich so einfach wie ich kann.


Europäischer Plan für Menschen mit Behinderungen

In der EU gibt es einen Plan für Menschen mit Behinderungen.
Dieser Plan heißt: “Europäische Strategie zugunsten von Menschen mit Behinderungen 2010-2020.”
Mit diesem Plan soll Europa barrierefrei für Menschen mit einer Behinderung werden.
Ich unterstütze die Ziele in diesem Plan.

Arbeit ist eine wichtige Basis für viele andere Dinge:
Geld, Unabhängigkeit, Kontakt zu anderen Menschen.
Arbeit ist ein Schutz gegen Armut und soziale Ausgrenzung.
Wir müssen Menschen mit einer Behinderung in Arbeit bringen.
Menschen mit einer Behinderung sollen am Leben in der Gesellschaft voll teilnehmen.
Sie sollen ihre Freizeit genau so genießen können wie Menschen ohne Behinderung.
Dienstleistungen muss es ganz in der Nähe von ihrer Wohnung geben.
Die EU muss notwendige Hilfsmittel mit Geld fördern.

Menschen mit Behinderung müssen Waren und Service einfach nutzen können.
Produkte und Dienstleistungen müssen für alle Menschen mit einer Behinderung leicht erreichbar sein.
Auch Internet-Seiten von Ämtern und Behörden müssen barriere-frei und in einfacher Sprache sein.


Meine Stimme für Barrierefreiheit

Am 13. März haben die Abgeordneten im Europäischen Parlament
über die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen abgestimmt.
Das heißt:
Dinge und Dienstleistungen
(zum Beispiel: Bahn und Bus fahren, Einkaufen, zum Arzt gehen)
soll ein Mensch mit einer Behinderung ohne Probleme nutzen können.
Ich habe dafür gestimmt.

Insgesamt hat das ganze Europäische Parlament dafür gestimmt.
Wenn auch die Chefs von allen Ländern in der EU einverstanden sind,
dann kann man ein Gesetz daraus machen.

Drei Ziele sind mir besonders wichtig:
1) Frauen
2) Gesundheit
3) Bildung


1) Frauen mit Behinderung besser schützen!

Ich will, dass die EU Frauen und Mädchen mit einer Behinderung besser schützt.

In Europa gibt es etwa 40 Millionen Frauen mit einer Behinderung.
Das sind sehr viele Menschen.

Trotzdem haben Frauen mit Behinderung sehr große Nachteile.
Das müssen wir ändern.
Frauen mit einer Behinderung brauchen besondere Unterstützung.
Dafür kämpfe ich.

Frauen mit einer Behinderung dürfen keine Nachteile haben,
nur weil sie eine Frau sind und eine Behinderung haben.
Das nennt man Diskriminierung.
Gegen Diskriminierung müssen wir kämpfen.
Wir müssen Diskriminierung verbieten mit einem Gesetz.

Bisher gibt es in der EU oder in den verschiedenen Ländern kein gutes Gesetz für Frauen mit Behinderung.
In den Gesetzen speziell für Frauen kommen Frauen mit Behinderung nicht vor.
Und in den Gesetzen für behinderte Menschen kommen Frauen auch nicht vor.

Wir müssen ganz besonders Frauen mit einer Behinderung fördern und unterstützen.
Sie sollen die gleichen Chancen haben wie Männer.
Ich will die Nachteile von Frauen mit Behinderung abschaffen.
Konkret heißt das:

  • Barrierefreiheit erreichen,
  • Finanzierung bereitstellen,
  • Aufmerksamkeit schaffen,
  • Bildung speziell von Frauen mit Behinderung fördern.

Wenn Frauen zuhause von ihren Partnern geschlagen werden,
nennt man das häusliche Gewalt.
Frauen mit einer Behinderung werden viel öfter das Opfer von häuslicher Gewalt als Frauen ohne Behinderung.
Dagegen müssen wir bessere Gesetze in der EU machen.
Die Polizei muss Frauen mit Behinderung besonders gegen häusliche Gewalt schützen.
Wenn Frauen daheim geschlagen werden, sollen sie schneller zur Polizei gehen.
Dafür müssen wir ihnen Mut machen.
Auch die Nachbarn müssen besser aufpassen.
Die Medien sollen über dieses Thema berichten.

Die EU soll eine Aufklärungs-Kampagne starten.
Sie soll Frauen mit Behinderungen in den Mittelpunkt rücken.

Ich finde: mehr Frauen sollen in der Politik aktiv sein.
Das gilt auch für Frauen mit Behinderung.
Geben Sie jetzt bei der Europa-Wahl ihre Stimme ab!

Vielleicht können manche sogar selbst in der Politik aktiv werden.
Das wäre eine gute Sache.


2) Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderung

Menschen mit einer Körper-Behinderung brauchen eine spezielle Gesundheits-Versorgung.

  • Sie müssen diese Gesundheits-Versorgung leichter bekommen.
  • Hier geht es konkret um besondere Angebote in den Gesundheits-Systemen.
  • Ärzte müssen besser Bescheid wissen, was Menschen mit einer Behinderung brauchen.
  • Die Räume von Ärzten müssen barriere-frei sein.

Auch in der Gesundheits-Versorgung
ist die Situation von Frauen mit Behinderung
schlechter als die von Männern mit Behinderung.

Oft sind medizinische Geräte nicht für Frauen mit Behinderung geeignet.
Hier denke ich zum Beispiel an Untersuchungs-Stühle, Mammografie-Geräte oder andere Instrumente beim Frauen-Arzt.
Es darf nicht sein, dass Frauen mit einer Behinderung keine Vorsorge-Untersuchungen machen lassen können nur weil die Geräte nicht barriere-frei sind!

Frauen mit Behinderung haben
das selbe Recht auf ihren Körper wie Frauen ohne Behinderung.
Aber die Menschen ohne Behinderung haben ihnen gegenüber oft Vorurteile.
Oft hören Frauen mit Behinderung, dass sie besser keine Kinder kriegen sollten.
Frauen, die sich ein Kind wünschen, bekommen oft wenig Unterstützung.
Frauen mit Behinderung dürfen selbst über Schwangerschaft und Familie entscheiden.

Wir wissen zu wenig über die notwendige Gesundheits-Versorgung von Menschen mit Behinderung.
Es gibt nicht genug Studien und Statistiken zu dem Thema.
Deshalb spielt es bei vielen Entscheidungen in der Politik keine große Rolle.
Das Thema muss mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Wir müssen Studien fördern, damit wir mehr wissen.
Die Medien müssen über das Thema berichten.


3) Bildung für Menschen mit Behinderung und für ihre Familien

Es sind mehr Menschen mit Behinderung arbeitslos als Menschen ohne Behinderung.
Nur etwa jeder dritte Mann mit Behinderung hat eine Arbeit.
Bei den Frauen sind es noch weniger:
nur eine Frau von fünf Frauen mit Behinderung hat eine Arbeit.

Es gibt für sie viele Barrieren und Hindernisse.
Ohne eine gute Bildung ist es immer schwer, eine Arbeit zu finden.

Ich will die Bildung von Menschen mit Behinderung
in der Schule und
im Beruf stärker fördern.

Kinder mit einer Behinderung sollen
im Kindergarten und
in der Schule am Leben Anteil haben.
Sie sollen Bildung gleichberechtigt mit Menschen ohne Behinderung erfahren.

Auch die Familien,
in denen ein Mensch mit Behinderung lebt,
brauchen spezielle Bildungs-Angebote.

Ein Mensch mit einer Behinderung lebt nicht allein.
Da ist immer ein Umfeld.
Das Umfeld müssen wir mit betrachten und mit einbeziehen.
Menschen, die einen Angehörigen mit einer Behinderung pflegen, brauchen Betreuung und Informationen und Coaching.

Jeder Mensch mit oder ohne Behinderung soll sein Leben lang lernen dürfen.
Es soll auch spezielle Untersuchungen geben
zu Behinderungen und lebenslangem Lernen.

Wir müssen genau Bescheid wissen, was Menschen mit einer Behinderung brauchen.
Dafür müssen wir ihnen zuhören.
Nur dann können wir alle gemeinsam und gleichberechtigt am Leben teilhaben.