28.11.2017
Tiertransporte quer durch Europa - Missstände schnellstens beseitigen

Die ZDF-Dokumentation „Geheimsache Tiertransporte - Wenn Gesetze nicht schützen“ hat viele Zuschauer – und auch mich – schockiert. Millionen Tiere werden jedes Jahr quer durch Europa mit Endziel Türkei oder sogar Nordafrika transportiert. Rinder und Schafe sind oft tage- oder wochenlang eingepfercht – auf Lastwagen und Schiffen. Viele Anfragen haben mich dazu erreicht, wie so etwas möglich sein kann und was auf europäischer Ebene dagegen getan wird.

An entsprechenden Verordnungen (Verordnung (EG) Nr. 1/2005 über den Schutz von Tieren beim Transport), die solche Transporte verhindern sollten, fehlt es auf europäischer Ebene nicht. Der Bericht des ZDF hat gezeigt, dass die Regelungen in  den meisten Mitgliedstaaten umgesetzt und durchgeführt werden. Nur was nach dem Überqueren der EU-Außengrenze passiert, wird nicht kontrolliert oder kann vielmehr kaum kontrolliert werden. Bis jetzt haben Europäische Kommission und EU- Mitgliedstaaten allerdings zu wenig getan, um sicherzustellen, dass diese Verordnungen für Tiertransporte auch nach Überqueren der EU-Außengrenze umgesetzt werden.

Aus diesem Grund wurde in der interfraktionellen Arbeitsgruppe Tierschutz im März 2017 vorgeschlagen, im Europäischen Parlament einen Untersuchungsausschuss zum Thema „Tiertransporte“ einzurichten. Bisher haben 208 EU-Abgeordnete aller Fraktionen diese Initiative unterstützt. Das reicht leider noch nicht aus. Solch grausame Tiertransporte müssen ein Ende haben! Auch außerhalb Deutschlands und der EU brauchen wir klare Regeln: Rinder, Schafe und Ziegen leiden unter der unerträglichen Enge und Hitze in den Transportern, unter quälendem Durst und Schmerzen. Da dürfen wir nicht länger wegschauen. Steter Tropfen höhlt den Stein: Bereits 2011 habe ich – als Abgeordnete im Bayerischen Landtag – die Tiertransporte thematisiert. Ich werde dranbleiben – zum Wohl der Tiere.

Oft werde ich gefragt, warum es überhaupt so viele Lebendtiertransporte gibt? Einerseits aus ökonomischer Sicht: Es ist billiger Lebendtiere zu exportieren als Fleisch. Dieses muss gekühlt werden und eine lückenlose Kühlkette ist wesentlich teurer als der Transport lebender Tiere. Andererseits auch aus religiösen Gründen: Die Kunden beziehungsweise Importeure wollen das Tier – sei es Rind oder Schaf – nach ihren Ritualen schlachten. Dies hat aber oft nichts mit einem möglichst schmerzfreien, kurzen und würdevollen Tod zu tun. Schächten und andere Praktiken ohne Betäubung des Tieres sind meiner Meinung nach inakzeptabel und in Deutschland laut Tierschutzgesetz auch grundsätzlich verboten. Allerdings gibt es Ausnahmen: Aus religiösen Gründen sind Ausnahmegenehmigungen möglich. Diese können Angehörige von Glaubensgemeinschaften in Anspruch nehmen – sofern ihnen ihre Religion vorschreibt, dass nur Fleisch gegessen werden darf, wenn das Tier ohne Betäubung durch einen Kehlschnitt getötet wurde und vollständig ausgeblutet ist. Bei Muslimen ist dies als „halal“ bekannt – im jüdischen Glauben heißt es „koscher“. Dies ist für mich aus Tierschutz-Aspekten nicht vertretbar. Genauso ist die Tötung ohne Betäubung mit meinem Verständnis für Tiere nicht vereinbar!