16.02.2018
Anfrage an EU-Kommission zu Tiertransporten durch Europa

Müller: Antwort ist eine Schande – Missstände schnellstens beseitigen

Kempten. Millionen Tiere werden jedes Jahr quer durch Europa mit Endziel Türkei oder Nordafrika transportiert. Rinder und Schafe sind oft tage- oder wochenlang eingepfercht – auf Lastwagen und Schiffen. Da stellt sich die Frage, wie so etwas möglich sein kann und was auf europäischer Ebene dagegen getan wird. Aus diesem Grund hat die Kemptener Europaabgeordnete Ulrike Müller zusammen mit ihrem niederländischen Fraktionskollegen Jan Huitema eine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung an die EU-Kommission gestellt.

So wollte Müller wissen, wie viele Lebendtiertransporte (nach Tierart) es zwischen 1995 und 2017 von der Europäischen Union in Drittländer – wie die Türkei oder nach Nordafrika – gegeben hat. Die Antwort: Es gibt keine genauen Zahlen. „Heißt das, dass die Kommission gar nicht weiß, wie viele Tiere in Drittländer exportiert werden?“, zeigt sich Müller überrascht. Desweiteren fragte die Europaabgeordnete, wie die Kommission sicherstellt, dass die hohen EU-Standards beim Tiertransport in und durch Drittländer eingehalten werden – gemeint sind etwa Pausen oder die Versorgung der Tiere mit Wasser und Futter. Auch hier ist die Antwort der Kommission unpräzise und nicht zufriedenstellend. Bei Transporten mit Ursprung in der Europäischen Union sei es Sache der Behörden der Mitgliedstaaten, die EU-Beförderungsvorschriften für den Beförderungsabschnitt außerhalb der EU durchzusetzen, so die Kommission. „Doch wie soll das gehen? Welches Mitgliedsland soll dafür verantwortlich sein: Jenes, in dem der Transport beginnt oder dasjenige, in dem der Transport in das Drittland übergeht? Das lässt sich in der Praxis doch nicht umsetzen“, stellt Müller fest.

Die Europaabgeordnete fragte zudem, ob die Kommission in Zukunft die Ausfuhr von Schlachttieren in Drittländer reduzieren will und stattdessen vermehrt in der EU geschlachtete Tiere sowie deren gefrorenes Fleisch exportieren wird. Die Antwort des zuständigen EU-Kommissars für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Vytenis Andriukaitis ist für Müller beschämend: Der Handel mit lebenden Tieren sei integraler Bestandteil der modernen Landwirtschaft. Daher erwäge die Kommission nicht, die Ausfuhr lebender Tiere einzuschränken. Stattdessen setze sie sich dafür ein, den Schutz der Tiere beim Transport zu verbessern und die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der einschlägigen EU-Rechtsvorschriften zu unterstützen. „Doch was passiert außerhalb der EU-Grenzen? Wer kontrolliert die Umsetzung der europäischen Standards?“, fragt sich Müller.

Die Kommission stehle sich beim Thema Tiertransporte vollständig aus der Verantwortung und schiebe den Schwarzen Peter anderen zu. „Die geltenden Vorschriften für Lebendtransporte sollten dringend verschärft werden. Wir müssen den Tieren beim Transport unnötiges Leid und Verletzungen ersparen. Zudem muss die Schlachtung für die Tiere möglichst schmerz- und angstfrei sein“, fordert Müller.

Hinweis: Die Anfrage von MdEP Ulrike Müller und die Antwort der Kommission finden Sie oben links unter "Weitere Informationen". Eine Pressemitteilung zum Thema Tiertransporte vom November 2017 finden Sie HIER.