18.05.2017
EU-Kommission plant Verbot von Neonicotinoiden

Müller: Das geht an der Realität der Landwirte vorbei

Kempten. Die Europäische Kommission plant ein striktes Verbot der sogenannten Neonicotinoide. Das lehnt die Allgäuer Europaabgeordnete Ulrike Müller ab. „Ein Totalverbot des Pflanzenschutzmittels geht an der Realität unserer Landwirte vorbei. Die Neonicotinoide sind unverzichtbar für Schutz und Wachstum der Saatprodukte. Falls das Insektizid verboten wird, hat das gravierende negative Folgen für den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide sowie Obst und Gemüse. Landwirtschaft muss in Europa weiterhin auch aus ökologischer und ökonomischer Sicht möglich sein“, erklärt Müller. Bei einem Verbot der Neonicotinoide müssten die Landwirte auf deutlich intensivere Methoden zur Schädlingsbekämpfung zurückgreifen. Dabei würden auch vermehrt Treibhausgase ausgestoßen.

Zudem weist Müller auf erhebliche wissenschaftliche Zweifel hin, dass der Pflanzenschutzwirkstoff aus der Reihe der Neonicotinoide für das Bienensterben verantwortlich ist: „2013 hat die Europäische Kommission den Einsatz des Insektizids bereits beschränkt. Bisher gibt es allerdings noch keine Studie, die belegt, dass sich der Zustand der Bienen seitdem verbessert hat. Eine bisher unveröffentlichte Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der Kommission deutet darauf hin, dass dem nicht so ist.“

Zusammen mit weiteren Europaabgeordneten macht Müller darauf aufmerksam, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im November dieses Jahres eine wissenschaftliche Gesamtbewertung für Neonicotinoide veröffentlichen wird – den Schlussfolgerungen dieser Studie würde die Europäische Kommission mit ihrem Verbot dann vorgreifen. In einem Brief fordern die Abgeordneten daher EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker auf, von einem Verbot von Neonicotinoiden abzusehen.